Sonntag, 11. September 2011

Viel zu sehen, viel zu feiern, wenig Schlaf (mucho a ver, mucho fiesta, un poco sueno)


Griaß eich Schweinsbaich :-)

Bevors nächste Woche am verlängerten Wochenende zum Nationalfeiertag für 5 Tage nach Mexico City und Umgebung geht möchte ich euch erstmals noch berichten was sich in den letzten beiden Wochen so getan hat bei mir.

Also zuerst muss ich mal zugeben dass ich Anfang letzter Woche mal kurz in eine kleine Depri-Phase geschlittert bin, denn es war für mich wirklich nicht leicht mich an den hiesigen Lebensstil zu gewöhnen.
Das heißt ich hatte vor allem damit zu kämpfen dass jeden Tag (oder besser gesagt jede Nacht) gefeiert wird. Fiesta heißt das dann J Und naja erste Woche fand ichs noch echt geil, jeden Tag zu Feiern, zweite Woche war dann unter dem Motto „Jeden Tag feiern? JA warum nicht!! „ Aber nach der dritten Woche hab wollt ich dann einfach mal wieder mehr als 4 Stunden pro Tag schlafen.



Das Problem ist ja nicht unbedingt das dauernd gefeiert wird, sondern dass einfach keine Rücksicht auf andere Leute genommen wird, der Mexikaner fragt nicht nach er kommt einfach vorbei und  „Checkt“ mal ab ob jemand Bock auf Fiesta hat. Und so kommt es das fast jeden Tag bis 2 Uhr oder länger gefeiert wird. Mit voll aufgedrehter Musik usw.
Mich wundert ja bloß dass die Nachbarn nichts sagen wenn jeden Tag bis spät in die Nacht die Musik rennt (was sie auf jeden Fall hören denn wir hören hier auch das Baby in der früh schreien), Ganz im Gegenteil auf wenn auf der Strasse Musik im Auto voll aufgedreht ist stört das niemanden. Leert man jedoch das Putzwasser vom Bodenwischen an einem Schtrauch ab so kommt gleich die Ganze Nachbarschaft vorbei und macht an Stress.

Highlight war dann eine Party die bis 10:00 früh bei uns ging (obwohl 3 der 4 Leute die hier wohnen bereits um 5 ins Bett wollten), Als ich dann um 8 Uhr schon ziemlich angepisst war weil ich nur mehr schlafen wollte (was aber wegen Lautstärke und Leute die dauernd in mein Zimmer gelaufen konnten um das WC zu benutzen weil die Gemeinschaftstoilette mal wieder besetzt war), bin ich auf um schon mal ein wenig zusammenzuräumen und da hab ich dann gesehen dass in meinem Bad alles andere als die Toilette getroffen wurde dafür aber mein Zahnbürstel in der Pisse gelegen ist – außerdem war der Laptop meiner Wohnungskollegin nicht mehr funktionstüchtig, weil er das Bier anscheinend ned so gut vertragen hat das man ihm anscheinend zum trinken gegeben hat. Unser Kühlschrank war auch so ziemlich versaut denn z.b. wurde Fleisch aus dem Tiefkühlfach genommen um Bier rein zu tun dass man erst dort vergessen sollte um mit der explodierten Flasche so richtig ein Massaker anzurichten.

Naja jedenfalls wurde ich gefragt warum ich denn nicht relaxe und mitfeier, denn es sei immerhin eine Party und ich solle froh sein dass niemand was an die Wand schmiert. Und dass der laptop kaputt ist sei ja auch unsere Schuld , denn wer ist denn so dumm und lässt seinen Laptop bei einer Party aufgedreht (um eventuell Musik für die Gäste bereitzustellen) und außerdem „Wenn ich auf einer Party bin will ich Spass haben, was schert es mich ob es dem Laptop gut geht oder nicht?)

Ist jetzt ja nicht so schlimm, aber es gab immer wieder solche Aktionen wie z.b. als wir Baden gehen wollten: Nachdem man erstmals bis fünf am Abend auf alle Leute warten mussten wurde mir dann der tolle Plan erklärt dass wir in ein Hotel fahren werden um dort den Swimmingpool zu nutzen (dafür müssen wir nur ein Zimmer mieten).
Angekommen dort stellte sich heraus dass sich die Kosten ca. auf 20€ pro Person belaufen würde. Interessanter weise hat aber niemand dann verstanden warum Edyta und ich dem tollen Angebot zu acht den großartigen riesigen Pool (Achtung Sarkasmus. siehe Foto) für 3 Stunden zu mieten widerstehen konnten, nein sogar angefressen waren als es tatsächlich in Erwägung gezogen wurde. Naja aber sind wir uns ehrlich – viel besser als das gratis Schwimmbad am Uni Gelände (Achtung schon wieder Sarkasmus – ach heute läufts wieder)



Also zusammenfassend kann man also sagen dass hier alles extrem spontan du ungeplant abläuft, 10 Minuten Vorlaufzeit sind oft genug um eine ganze Abendplanung aus dem Boden zu stampfen (was dann i der Regel darin resultiert dass man bis zu 1,2 Stunden wartet pro Abend) Dazu kommt dass so viel ausgemacht wird um es dann aber nicht einzuhalten. Letzteres ist für mich vielleicht as am schwersten zu verstehen denn z.b. wenn man erzählt man wolle eine Stadt besuchen bekommt man sofort Angebote wie: Ich hab Freunde dort, bei denen kannst du schlafen, Ich besorg dir ne 50% Ermäßigung für den Bus oder Ich komm mit dann fahrn wir mit meinem Auto. Leider hat sich bisher noch keine dieser tollen Angebote bewahrheitet und man sollte sich wohl besser auf die tollen Versprechungen nicht hören und sein eigenes Ding durchziehen

Ich will ja niemanden beunruhigen – aber das mit der Sicherheit ist halt auch so ne Sache.
Viele Viertel sind nur durch das passieren eines Schranken mit privaten Sicherheitskontrollen erreichbar, Allerdings hat das weniger mit der vorsorge der Mexikanischen Regierung zu tun sondern damit das die Lokalen Drogenbosse sich nicht von anderen Dealern ins Handwerk pfuschen lassen.
Wobei die Einheimischen jedes Mal wenn eine Spitze im Drogengeschäft geschnappt wird, wirklich besorgt sind denn dann wissen sie dass das nächste halbe Jahr eine Qual wird.
Ist nämlich ein Revier „frei“ gibt es garantiert einen Nachfolgekrieg in dem sich junge aufstrebende Kriminelle mit allen Mitteln die Recht sind (naja eher mit allen mitteln die Unrecht sind) um das freigewordene Revier bemühen.

Letztens sind wir an einem regungslosen Menschen vorbei gefahren der entweder nicht mehr am Leben war oder aber sehr sehr unbequem geschlafen hat. Naja auf jeden Fall hab ich natürlich nachgefragt ob man denn ned mal nachsehen sollen was denn mit der Person los ist. Worauf die Antwort kam: Lieber vorbei fahren, dann wenn es wirklich eine Leiche ist kommst du im schlimmsten Fall in den Genuss gegen die Drogenmafia auszusagen – und das will man sich dann doch wenn möglich ersparen oder?

Dann ist es hier anscheinend normal, dass Obdachlose von Haus zu Haus gehen und ums essen oder Trinken betteln. Das ich am Sonntag Vormittag zweimal „gestört“ werde naja das is ja noch ok, dass dan aber 1,5 L Cola oder sogar mein Joghurt (ohne) mich zu fragen verschenkt wird erfordert aber mehr Toleranz als ich gerade parat hatte.

Außerdem find ich es einfach ned ok, dass einem die Umwelt so was von egal sein kann, Als ich nachfrage warum Dosen grundlegend nicht in den Müll sondern überall anders hin (liebend gern auf die Straße und vor allem aus dem fahrendem Auto) geworfen werden, bekomme ich nur als Antwort das es ja keinen kümmert und außerdem doch gut für di earmen Leute ist die es dann einsammeln und als Altmetalll verkaufen können sobald sie ein paar Kilos haben.

Apropo Bierdose aus dem Auto werfen: Das man hier betrunken fährt ist hier mehr als normal, da der Mexikaner grundlegend jeden Tag zu trinken scheint und ja irgendwie nach Hause kommen muss…. , Dabei ist eine Zustand indem man das eigene Auto nicht mehr findet bei weitem noch nicht Grund genug das Auto stehen zu lassen. Aber klar man muss ja sagen das ein Taxi hier wirklich ein Vermögen kostet (Ui heut kann ichs ja garned lassen mit dem Sarkasmus).

Aja, die Gesunde Lebensweise mit mäßig Chili und Alkohol führt dann dazu, dass ca. 2/3 der Bevölkerung Gastritis hat. (Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen – denn von den jungen Mexikanern die ich kennen gelernt habe bisher hat noch jeder gemeint dass ers hätte.)

Naja ich will nicht zu viel sudern , aber es war einfach wirklich schwer für mich damit klar zu kommen, und vor allem die Tatsache dass mich keiner von den Mexikanern bzw. Spaniern verstehen konnte warum ich mir mit dem Latino Leben so schwer tu.
Auf jeden Fall kann ich sagen dass ich nicht weiß wie ich das ohne eine bestimmte ganz besondere Person – die mir immer wieder aufs Neue Kraft gegeben hat, durchgestanden hätte.
Jedes Mal wenn es mir schlecht geht hab ich ein Stückchen Schokolade, dass mich an zuhause erinnert – und dann geht’s mir gleich wieder besser.
Ich hoff nur die Schokolade reicht bis zum Schluss:P

Mittlerweile geht es mir aber eh schon wieder besser, bzw. vielleicht hab ich mich auch einfach besser daran gewöhnt.
Es hat ja auch durchaus seine schönen Seiten alles hier. Z.b. wenn man irgendwelche fremden Leute trifft und mit denen mitten in der Nacht stundenlang auf der Strasse zum musizieren und singen beginnt.
Und natürlich das Land hier:
Letztes Wochenende haben wir Mexiquillo besucht, und zwar handelt es sich dabei um ein wunderschönes Naturparadies mitten im Gebirge.




Also wir haben uns in der Nähe zwei Hütten gemietet in denen wir untergebracht waren und haben von dort aus die Natur erkundet.
Das war wirklich total schön, ein wunderschöner Wasserfall mit Exotischen Pflanzen versehen und Kolibris die da herumschwirren.
Außerdem kann man die unbenützten Tunnel besichtigen die vor Jahren einem Bahnprojekt das aber still gelegt wurde dienen hätte sollen.

Außerdem waren wir dann statt dem oben erwähnten Swimming Pool bei dem Stadnehem Fluss, der so richtig zum Hot Spot der Jugend geworden sein sollte. Dort versteht man dann erstmals warum hie rin Amerika jeder einen SUV fährt.


Diese Woche war es dann auch ein bisschen (aber nicht viel) ruhiger.
Die beiden verrückten Spanier Juanpedro und Jorge sind mittlerweile abgereist dafür gibt es aber wieder einige Neue Praktikanten hier.

Zum Abschluss der beiden Spanier (und meines Geburtstages) gabs dann noch eine große Party zu der wir ein Haus mit Grilleinrichtung und großem Pool gemietet hatten und etliche Leute eingeladen haben.
Das war echt eine schöne Feier (auch wenn ich zu Ehren meines Geburtstages gleich mehrmals in den Pool geworfen wurde.
Allerdings muss ich auch zugeben dass der darauffolgende Tag nach 3 Stunden Schlaf echt nicht einfach war und ich der Arbeit so richtig gelitten habe.

Erstmals Sema die Berlinerin mit türkischen Wurzeln, die mittlerweile bei uns im Haus neu eingezogen ist. Die ist echt eine Nette, sehr offen und gelassen und ich glaube mit ihr lässts sich hier gut aushalten auch wenn sie es sicher nicht leicht haben wird hier, denn mit ihrem Kopftuch sticht sie doch ordentlich aus der mexikanischen Masser heraus und wird oft wie in der Fensterauslage angestarrt. Anna aus Bayern und Yehya aus Berlin verstärken dann noch zusätzlich  den Deutschsprachigen „Club“ unter den Praktikanten.
Was wirklich witzig ist, denn vor wenigen Tagen konnte ich  so gut wie nie deutsch sprechen und nun sind wir sogar in der Überzahl (und wir alle 6 essen hier kein oder nur wenig Fleisch ;-)

Es ist also echt fein mal wieder unbekümmert in seiner Muttersprache von der Seele reden zu können, und Vor allem mit Anna haben wir einige Themen die uns aus ähnlichen Gründen bewegen sodass endlich mal ein Gespräch außerhalb der Small Talk Rahmen zu Stande kommt.

Mittlerweile ist Edyta dann auch schon abgereist sodass wir gerade nur zu Dritt in der Wohnung sind.
Ich bin also schon gespannt wie die nächsten Wochen werden.

Aber bald geht es jetzt dann mal in die Millionenstadt Mexiko City, und ich hoffe dann hab ich auch wieder viele neue Bilder zum zeigen und Geschichten zu erzählen (und muss nicht soviel herumsudern)
 

Bis dahin – Alles Gute  !!

P.s. zum Abschluss noch ein Bild vom wahrzeichen der technischen Uni hier.


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